Neueste neurologische Forschungen haben gezeigt, dass ein regelmäßiges Bücherlesen zu einen besseren Signalaustausch verschiedener Hirnregionen führt. Das Lesen von Büchern bildet nicht nur, sondern es kann das Leben bereichern, da es neue Welten erschließt. Es lohnt sich, immer mal wieder zu einem Buch zu greifen, in eine durch Sprache geschaffene Welt einzutauchen und mit neuen Gedanken daraus aufzutauchen. Die Autorin sara reichelt nimmt dies beim Wort!

Das Besondere an ihrem neuen Roman, der im April 2014 beim Verlag 3.0 erscheinen wird? Er wird konsequent aus der Perspektive der einzelnen Bücher erzählt, spielt in der Gegenwart, an realen Schauplätzen. Der Roman besteht einerseits aus rührseligen, witzigen, aber auch traurigen Anekdoten aus dem (Er)leben dieser Bücher und andererseits aus lyrischen Zwischenspielen, in denen die einzelnen Bücher sich selbst reflektieren.

Das Urbuch mit dem Titel „Lies mich“ ist unterwegs mit seiner "Schöpferin", während seine 24 Klone in einem Karton liegend ein eher tristes Dasein fristen. Nacheinander starten sie ihren Weg hinaus zu ihren Lesern und machen Erfahrungen in der Außenwelt. Im gleichnamigen Roman werden diesen Büchern unterschiedliche Stimmen verliehen; sie diskutieren untereinander, mit ihren Lesern oder etwa mit der Tageszeitung. Ein Buch wird beispielsweise von Kinderhänden verbastelt, ein anderes in einem Pflegeheim einer schwerbehinderten Büchernärrin vorgelesen. Das nächste wird von der Besitzerin eines kleinen Stadtteilbuchladens so sehr enttäuscht und verletzt, dass es sich in eine Kirche schleicht und von dort aus wie durch ein Wunder und ohne die Hilfe der untereinander zankenden Gebetsbücher in einer katholischen Leihbücherei landet.

Die Erfindung von neuen Welten durch Sprache und das Beleben ihrer eigenen Welt durch Ausgedachtes, Erzähltes und Geschriebenes ist für die Autorin der wichtigste Impuls beim Schreiben. Das wird in ihrem aktuellen Buch deutlich, in dem sie die Perspektive eines Buches wählt und dem Buch eine eigene Stimme verleiht. Die Leser erleben so einen anderen, völlig neuen Blickwinkel.

 

(Katherina Göbel, Bedburg, Juni 2014)