Sternschnuppen

 

(...) Sie war auch dann noch unter meiner Haut, als sie sagte, dass sie mich nicht mehr spüren könnte, weil sie nichts spüren wollte, was ihre Unverletzlichkeit eines Tages gefährden könnte. In Drachenblut hätte sie gebadet vor vielen Jahren und sich danach ein Kettenhemd angezogen, das ich in jenen wenigen und unendlich langen Stunden unserer fast vollkommenen Harmonie, unseres Gleichklangs auf allen Ebenen, behutsam ausziehen durfte. Dann hatte sie es wieder angezogen, es fester zugeschnallt denn je und versah mich mit metallenen Umarmungen, die mich nur vage erinnerten an unser gegenseitiges, fast grenzenloses Versinken ineinander.  „Ich weiß nicht, ob wir gemeinsam glücklich bleiben, aber ich weiß, dass ich jetzt glücklich mit dir bin, denn du hast Poesie in mein Herz getragen, und das hat bisher keine geschafft“, schrieb sie mir in einer ihrer E-Mails, und dass sie Sternschnuppen gesehen habe, sich „Liebe“ wünschend, nicht wissend, wer da komme, aber ahnend, dass der Tag dieser einmaligen Begegnung eintrete, irgendwann. Und dann war es soweit und sie freute sich auf mich, auf jeden Augenblick, den wir gemeinsam verbringen durften. Sie war für mich zu einem bunt schillernden und hellglänzenden Stern am Nachthimmel geworden und ich fühlte sie in jedem Sonnenstrahl, der meine Haut streichelte oder verbrannte. In unseren weißen Nächten schlich er sich davon, der Schlaf. Sie fragte mich, ob ich den Film „Schlafes Bruder“ gesehen habe, und als ich bejahte, ob ich mich an den Satz „Liebende schlafen nicht“ erinnere ...